ZDF

Böhmermanns Gedicht

Offensichtlich sitzt der Hass vieler deutscher Bürger sehr tief. Das ist an den vielen positiven Bekundungen gegenüber Jan Böhmermanns Gedicht zu erkennen. Wir*, die Deutschen, wollen es der Welt wieder zeigen, wir sind die Besten, die Klügsten und die Größten. Wir* zeigen der Welt, was wir unter Presse- und Meinungsfreiheit verstehen. Dass wir im eigenen Land bereits geknechtet werden und von einer Demokratie weit entfernt sind, dass interessiert vielen Bürgern schon gar nicht mehr. Die Hauptsache ist im Moment, wir* haben Jemanden gefunden, auf den wir* draufhauen können. Uns interessiert es ebenfalls nicht, dass wir* mit unserer Solidaritätsbekundungen den Weg für den Axel Springer Verlag für noch schlimmere Beleidigungen und Schmähkritik ebnen.

Um es gleich auf den Punkt zu bringen, ich bin froh, dass diese Angelegenheit seinen juristischen Gang geht.

Schade finde ich es nur, dass man die Beitragsgebühren nicht halbieren darf, da ich mich mit den Aussagen des ZDF nicht identifizieren kann.

Meine Frage, die ich im Facebook-Account gestellt habe, was wäre passiert, wenn man diese Schmähkritik gegenüber Netanjahu vorgenommen hätte, blieb unbeantwortet. Ich bin der Meinung, ein Aufschrei wäre durch die Gesellschaft gegangen. Unser Bundesspräsident und –kanzlerin hätte sich am nächsten Tag zu Wort gemeldet. Der Staatsanwalt hätte keine 24 Stunden gewartet und es hätte an der Tür von Böhmermann geklingelt. Davon bin ich überzeugt. Und das ebenfalls zu Recht.

Schon kurz nach den ersten Diskussionen hegte ich den Verdacht, dass der Axel Springer Verlag diese Bekundungswelle nutzt, um sich ins rechte Licht zu setzen. So brauchte ich auch nicht lange im Internet suchen und siehe da, Mathias Döpfner setzte einen offenen Brief ins Internet: „Solidarität mit Jan Böhmermann“!

Das hatte ich auch nicht anders erwartet.

Einleitend teilt er mit, dass er Jan Böhmermann nicht kennt und die Sendung auch nicht sehen konnte. Er findet das Gedicht gelungen und er habe dabei laut gelacht.

Dass Ihr Gedicht geschmacklos, primitiv und beleidigend war, war ja – wenn ich es richtig verstanden habe – der Sinn der Sache, ist ein Auszug aus seinem Schreiben.

Wenig später erkennt man jedoch den wahren Grund seiner Freude. Das ZDF hat angeblich einen Hashtag mit „Fick dich Bild Zeitung“ ins Leben gerufen und sich eine Domain „fickdichbildzeitung.com“ gesichert.

Auch diese Art eines öffentlich rechtlichen Senders ist geschmacklos und primitiv. Daraus ergibt sich schon die Verdummung der Bevölkerung mit primitiven Parolen. Man muss sich tatsächlich fragen, wo ist der Grund dieser Geschmacklosigkeit zu finden? Ablenkung der Allgemeinheit von wichtigen Dingen?

Nehmen wir einmal die Abstimmung der Großen Koalition über die Zulassung des § 103. Zum Schluss hat Frau Merkel alleine gestanden. Warum gab es dort keinen Konsens?

Liest man die Meinungen einiger Politiker, dann fragt man sich, warum haben sie ebenfalls nicht dieser Zulassung zugestimmt. Frau Dilek Kolat: „Das Gedicht von Böhmermann finde ich persönlich zwar auch beleidigend, aber deswegen Strafverfolgung zu fordern, ist völlig übertrieben.“ Sie bestätigt, dass eine Straftat vorliegt, möchte jedoch keine Verfolgung. Könnte es sein, Frau Kolat, dass die SPD Stimmen damit gewinnen möchte?

In einem anderen Interview teilt Thomas Oppermann, Jurist und ehemaliger Richter, der Berliner Morgenpost mit, „Ich finde das Schmähgedicht inhaltlich abstoßend. Ob das unter den Schutz der Satire fällt, ist eine Abwägungsfrage. Zu welchem Ergebnis die Gerichte kommen, ist schwer vorherzusagen.

Wenn ich doch als ehemaliger Richter den Inhalt als abstoßend bezeichne, dann wäre es doch konsequent gewesen, bei der Abstimmung mit „Ja“ zu stimmen.  

Es wunderte mich kaum, dass sich auch Dieter Hallervorden zu Wort meldete. Mit seinem Song „Erdogan zeig mich an.“ unterstreicht er nur das niedrige Niveau dieser Debatte.

In der Vergangenheit machte ich bereits darauf aufmerksam, dass das Auftreten bestimmter Personen mit Vorsicht zu genießen sind. Schon im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise waren die Namen Til Schweiger, Mathias Döpfner, Sigmar Gabriel und Dieter Hallervorden zu lesen.

Ich möchte es hiermit auch noch einmal ausdrücklich erwähnen, ich habe mich in der Vergangenheit für Presse- und Meinungsfreiheit eingesetzt und werde es auch in Zukunft tun, denn es ist auch in meinen Augen ein hohes Gut. Auch habe ich mir schon viele Satiresendungen angesehen und ebenfalls herzhaft gelacht. Doch finde ich, alles muss auch eine Grenze haben. Und diese Grenze war bei mir mit der Behauptung der Sodomie Erdogans überschritten. Gar nicht auszudenken, wenn Satire plötzlich von Nazis in Anspruch genommen wird und sie unter dem Deckmäntelchen der Satire oder Schmähkritik mit erhobenen Armen durch die Straßen laufen und ihre zwei Wörter ausrufen. „Alles Satire, oder?“

Geht diese Art der Freiheit durch, erwarte ich in Zukunft eine Schmähkritik von unerträglichem Ausmaß.

Und damit keine Person denkt, ich wäre ein Befürworter Erdogans. Ich verurteile alle Staatsoberhäupter, die Menschenrechte nicht einhalten, sowie Staatsüberhäupter, die Kriege führen, dabei spielt es keine Rolle, ob es Russland, die USA, BRD, Frankreich, Großbritannien oder andere Staaten sind. Leidtragende sind immer die Zivilisten.

Zudem möchte ich abschließend erwähnen, dass auch Menschen der westlichen Staaten dazu beitragen, dass Menschen unterdrückt, ausgenutzt und gefoltert werden, damit wir unseren „Wohlstand“ ausleben können. Nur davon will Keiner etwas wissen. Außerdem befürchte ich, dass nach dieser Debatte die AfD noch mehr Zulauf erhält.

 

Ich möchte es auch nicht versäumen, mich bei der türkischen Bevölkerung zu bedanken. Sie haben bereits laut den Medienberichten zwischen 3 – 3,5 Millionen Flüchtlinge aufgenommen. Kaum auszudenken, wenn diese Anzahl sich in Deutschland befinden würde.

Auch gilt mein Dank an die griechische Bevölkerung. Trotz der Tatsache, dass sie unter dem Druck der Troika beziehungsweise Expertengruppe zu leiden haben, versorgen sie Flüchtlinge aus den unterschiedlichsten Staaten. Zudem fehlt der Wirtschaft der Tourismus aufgrund der derzeiten Lage. Leider ist wenig von der Solidarität der europäischen Bevölkerung zu erkennen.  

Mit wir* meine ich Menschen, die sich mit diesem Artikel angesprochen fühlen

Wir sollten uns um interne Probleme kümmern, die ich in den nächsten Tagen auf der Seite aktuell nenne.